Morbus Jancke - Masseur & Ekeldetektiv

Morbus Jancke
Masseur & Ekeldetektiv

450 Seiten # Nur bei direkter Anfrage erhältlich

UNVERAEUSSERLICHEFESTSCHRIFTZUM
50JAEHRIGENBESTEHENMEINERSELBST

Möbius Jancke, Anfang 40, geht durch sein Leben und betrachtet den Ekel, den die Menschen überall hinterlassen. Inmitten des Ekels verliebt er sich zufällig unsterblich, doch verliert er seine große Liebe und wird von trostloser Nostalgia erfasst... bis seine große Liebe plötzlich wieder auftaucht und er sich in der Psychiatrie wiederfindet...

  

Das erste Kapitel des Krankheitsberichts:


Großstadtwale

Das Kind ist drei oder vier Jahre alt und nicht größer als das Bein der Mutter. Es schlingt seine Arme um den Oberschenkel, doch die kleinen Ärmchen passen kaum um den Schenkel herum. Das Kind ist dermaßen fett, dass der dicke Bauch wie eine unüberwindbare Fettbarriere zwischen ihm und seiner Mutter steht. Der massige Oberschenkel der Frau tut das Seinige dazu. Die Mutter ist das genaue Ebenbild des Kindes - nur in riesig. Sie ist ein Koloss, ein Fettberg, der nicht mehr auf eigenen Beinen stehen kann. Sie muss sich auf einen Gehwagen stützen, das Kind kauert sich automatisch auf die Sitzfläche, als müsste für Gegengewicht gesorgt werden. Es isst eine österreichische Dauerwurst. In der Haven-Passage sind Österreichische Themenwochen.



2

Das Kind stopft das Wurstende mit seinem Daumen nach und lässt ihn lustlos zwischen seinen Lippen hängen. Für einen kurzen Augenblick befürchte ich, es könnte den Unterschied zwischen Daumen und Wurst vergessen haben. Die kleine Schwester des Ekels ist die Gier und die kleine Schwester davon ist Rosi. Die Mutter der dreien sitzt mittlerweile selbst auf der Sitzfläche des Rollwagens. Alle paar Minuten kommt sie mit ihrem Gesäß einige Zentimeter in die Höhe, ruckelt ein wenig herum und platziert sich neu. Das Sitzfleisch ist längst durchgesessen.



3

Als ich mir schon selbst eine österreichische Spezialität kaufen will, setzen sich die drei in Bewegung. Ich schaue der Familie Barbapapa hinterher; Barbapapa, Barbamama und Barbanossi, die sich den lieben langen Tag in die verschiedensten Wurstsorten wandelt. „Kommt und besucht mal Barbapapa. Es macht viel Spaß mit der Familie Barbapapa ...“, singe ich ihr Lied und folge ihnen willenlos nach. „... ist es gestattet, Barbapapas?“ Ich bin dem Ekel auf der Spur. Wieder einmal verspüre ich das Bedürfnis, mir umgehend Visitenkarten zu drucken: Morbus Jancke, Masseur & Ekeldetektiv.


© Sven Menge 2019